Minijobber – abschlagsfreie Rente?

Das Einkommen eines Minijobbers ist oft für Alleinerziehende oder Studenten ein Zusatzeinkommen. In den meisten Fällen lassen sich Minijobber von der Rentenversicherungspflicht befreien. Die monatliche  Auszahlung ist dann etwas höher. Doch wer als Minijobber auf einen kleinen Teil des Lohnes verzichtet, und diesen Teil des Lohnes in die Rentenversicherung einzahlt, profitiert deutlich auf einem anderen Weg. Dabei geht es nicht um die wenigen Euro der Mehrrente.

Der maßgebliche Vorteil liegt in den Rentenversicherungszeiten!

Dabei spielt der Verdienst keine Rolle. Zahlt der Minijobber in die Deutsche Rentenversicherung ein, erhält er pro einem Jahr Minijob ein normales Versicherungsjahr angerechnet. Dieses Versicherungsjahr, könnte für Studenten oder Alleinerziehende, eine spätere abschlagsfreie Rente bedeuten. Also: lieber auf ein paar wenige Euro verzichten und die Vorteile der Rentenversicherungszeiten nutzen.

Rentenversicherung verrechnet sich bei Erwerbsminderungsrenten

Wer früher eine Erwerbsminderungsrente erhalten hat und nun in den Ruhestand getreten ist, sollte prüfen, ob bei der Anrechnung der Erwerbsminderung auf die Altersrente keine Fehler unterlaufen sind. Das Bundesversicherungsamt hat in seinem Tätigkeitsbericht 2014 zahlreiche Falschberechnungen nachgewiesen. Die Unterschiede können mehre hundert Euro im Monat betragen, viele Rentner erhielten deutlich zu wenig Geld.

Auch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) rechnet nicht immer korrekt, wie der aktuelle Tätigkeitsbericht 2014 des Bundesversicherungsamtes zeigt. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass sich die DRV mehrfach zu Ungunsten der Rentner verrechnet hatte. Weil Erwerbsminderungsrenten nicht in vollem Umfang auf die Altersrente angerechnet wurden, gingen manchem Ruheständler hunderte Euro pro Monat verloren!

Nachzahlung von 7.500 Euro
Anstoß für die Untersuchungen war der Fall eines Rentners. Die Bezugszeit seiner Erwerbsminderungsrente war dem Mann zu Unrecht nicht bei den Altersbezügen angerechnet worden – und zwar im Umfang von stolzen neun Jahren. Nachdem das Bundesversicherungsamt die Fehlberechnung kritisierte, hat die DRV die Anrechnungszeit im Versicherungskonto ergänzt und die Regelaltersgrenze auf dieser Grundlage neu festgestellt. Unter der Berücksichtigung weiterer Korrekturen erhielt der Rentner eine Nachzahlung von 7.500 Euro und eine um 500 Euro erhöhte Monatsrente.

Auf Grundlage dieser Fehlrechnung hat das Bundesversicherungsamt weitere 293 Stichproben untersucht – schließlich obliegt der Behörde die Rechtsaufsicht über die Sozialversicherungsträger. Dabei wurde der Verdacht bestätigt, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. In weiteren 35 Fällen wurde eine Nachzahlung erforderlich, die sich in der Summe auf über 50.000 Euro beläuft. Aber es fanden sich auch vier Fälle von Überbezahlung, bei denen Rentnern die Altersbezüge gekürzt werden mussten. Die Überprüfung weiterer 808 Fälle steht aktuell noch aus.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Rentner Abschläge bei der Altersrente akzeptieren müssen, wenn sie vor Erreichen der Altersgrenze eine Rente wegen Erwerbsminderung erhielten. Für jeden Monat, mit dem früher die Rente begonnen wird, beträgt der Abschlag 0,3 Prozent, insgesamt jedoch höchstens 10,8 Prozent. Von 2001 bis 2011 waren abschlagsfreie Renten ab dem 63. Lebensjahr möglich. Seit 2012 wird die Altersgrenze von 63 Jahren für eine abschlagsfreie Rente schrittweise auf das 65. Lebensjahr angehoben. Weitere Details, etwa zu Ausnahmen für junge Erwerbstätige, finden sich auf der Webseite der Rentenversicherung.

Notfalls professionelle Beratung einholen
Rentner sollten im Bescheid prüfen, ob alle Versicherungszeiten korrekt bei den Altersbezügen angerechnet wurden. Dazu gehören zum Beispiel Zeiten der Kindererziehung und Arbeitslosigkeit, aber auch der Erwerbsminderung. Häufig sind auch einfache Zahlendreher Ursache für Fehler.

Aufgrund der Komplexität der Rente ist es empfehlenswert, für die weitergehende Beratung einen Fachmann zu kontaktieren. Hilfe findet man zum Beispiel bei der Rentenversicherung selbst. Neben der telefonischen Beratung hat die Rentenversicherung ein breites Netz an Beratungs- und Servicestellen aufgebaut. Auch unabhängige Rentenberater, Sozialverbände und Versicherungsvermittler können unter Umständen die Richtigkeit der Rente überprüfen.

Rentenversicherung haftet für fehlerhaften Entzug der Riester-Förderung

Riester-Rente: Die Deutsche Rentenversicherung wurde erstmals zu Schadenersatz verurteilt, weil sie einer Mutter zu Unrecht die Kinderzulage strich. Die Klägerin erhält jetzt 235 Euro für entgangene Kursgewinne einer Riester-Fondspolice ausgezahlt. Für Verbraucher ist das eine positive Nachricht – stärkt das Urteil doch die Rechte gegen Behördenwillkür (Landgericht Berlin, Az.: 28 O 229/14).

Im verhandelten Rechtsstreit war einer Mutter zu Unrecht von der Rentenversicherung (DRV Bund) die Kinderzulage aberkannt wurden. Die Deutsche Rentenversicherung hatte die Zulagen für die Jahre 2006 bis 2010 wieder zurückgebucht – im „vollmaschinellen Verfahren“ und ohne vorherige Anhörung. Grund war ein Fehler der Behörde. Die zuständige Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) hatte sich bei der falschen Kindergeldkasse erkundigt. Dabei erhielt sie irrtümlicherweise die Auskunft, dass die Frau gar nicht kindergeldberechtigt sei – Voraussetzung für die entsprechende Riesterförderung.

Die Riester-Sparerin konnte also gar nichts dafür, dass ihr die Förderzulage gestrichen wurde. Doch es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis die Behörden ein Einsehen zeigten und den Fehler korrigierten. Erst im Jahr 2013 zahlte die Behörde die Zulagen wieder an die Mutter zurück, wie die Stiftung Warentest in einer Pressemeldung berichtet – insgesamt 831 Euro.

Rentenversicherung muss Schadenersatz zahlen
In dem langen Zeitraum hatte die Frau aber Verluste wegen des Missverständnisses, schließlich fehlte das Geld in ihrem Riester-Vermögen. Auch sollte sie Gebühren für die Wiedereinbuchung zahlen. Deshalb zog die Frau vor Gericht und machte dort ihren Schaden geltend. Die DRV Bund habe „schuldhaft einen rechtswidrigen Verwaltungsakt erlassen“ und müsse dafür haften, so argumentierte Anwältin Grit Dietze in der Klageschrift. Auch sei die Klägerin „nicht ordnungsgemäß angehört“ und der „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht gewahrt“ worden.

Nach einer mündlichen Verhandlung kannte die Deutsche Rentenversicherung die Klageforderung schließlich an. Das Landgericht Berlin erließ daraufhin ein entsprechendes Anerkenntnis-Urteil und gab der Klage in vollem Umfang statt. Den Schaden von insgesamt 235 Euro plus Zinsen erhält die Riester-Sparerin nun ersetzt. Für Verbraucher ist das ein gutes Urteil, sind die staatlichen Zulagen doch ein wichtiger Grund, dass sich die Riester-Rente rentiert. Bei Fragen zur Riesterförderung schafft ein Beratungsgespräch Klarheit!